Mit Live-Musik und sangesmutigen Darstellern inszeniert die Theater-AG des Albrecht-Dürer-Gymnasiums den Roman „Oliver Twist“ als Musical.

von Benedikt Weimer

Bill Sykes stürzt aus mehreren Metern von der Bühne. „Teil der Inszenierung oder ein Unfall?“ fragen die bestürzten Augen des Publikums und ein Raunen geht durch die Reihen.

Wenn die Theater-AG des Albrecht-Dürer-Gymnasiums ein Stück auf die Bühne bringt, passiert schon einmal Ungewöhnliches. Am Freitagabend konnten Hunderte Schüler, Lehrer, Ehemalige und Interessierte zum letzten Mal „Oliver Twist“ in der gut gefüllten Aula des AD sehen. Damit präsentierte die Theater-AG der Jahrgänge 9 bis Q2 (ehemalig 12) seit mehr als einem Jahrzehnt wieder ein Musical.

Theo Steinbach als Oliver Twist

Oliver Twist ist eine bedauernswerte Gestalt: der Waisenjunge – gespielt von Theo Steinbach – steht mit seiner charakteristischen Schirmmütze einsam auf der Bühne, nachdem er aus dem Armenhaus geworfen wurde. Hunger plagt den Jungen, einen Schlafplatz sucht er auch. Seine Geschichte interpretierte ein 23-köpfiges Schauspielerteam nach dem 1838 veröffentlichten, gleichnamigen Roman aus der Feder von Charles Dickens anspruchsvoll.

Dass es jedoch überhaupt zur Aufführung eines Musicals kam, ist nicht zuletzt Verdienst einer jungen Frau: Schülerin Sara Alves da Silva unterbreitete Andrea Köhler, der Leiterin der AG, diesen Vorschlag. Sie ist zufrieden: „Ich finde, dafür, dass viele Mitwirkende vorher kaum gesangliche Erfahrung hatten, ist das Musical sehr gut umgesetzt worden. Das Feedback, das wir von den Zuschauern bekommen, bestätigt das“, sagte die 18-jährige, die sich an diesem Abend nicht nur mit ihrem Gesang auf der Bühne beteiligte.

Instrumentale Begleitung

Gemeinsam mit drei weiteren jungen und passend kostümierten Musikern der Schule sorgte Alves da Silva nämlich für die instrumentale Begleitung des Gesangs. Dass diese nicht etwa vom Band erfolgte, sondern live durch ein Cello, eine Geige, ein Klavier und ein Akkordeon realisiert wurde, manifestiert den hohen musikalischen Anspruch, den das AD mit seiner Inszenierung verfolgt.

Vornehmlich musizierten das Klavier und das Akkordeon gemeinsam mit den Sängern. Die Begleitinstrumente ließen durch eine dynamisch differenzierte Vortragsweise zu, dass der Gesang zur Geltung kam und gleichzeitig stimmungsvoll unterstrichen wurde. Auch abseits der Gesangspassagen sorgten die Instrumente durch Zwischenspiele dafür, dass die Zuschauer das gerade Gesehene auch auditiv verarbeiten konnten, so dass sich für sie ein harmonisches Bild ergab.

Sarg als Kulissenelement

Aus einfachen, aber effektiv eingesetzten Elementen wie einem Sarg, der nicht nur als solcher diente, sondern auch multifunktional eingesetzt wurde und zügig in einen Tisch verwandelt wurde, ergab sich ein schlichtes, aber überzeugendes und wirkungsvolles Bühnenbild. Es konnten schnell völlig neue Szenarien hergestellt werden, die dem Zuschauer im Rahmen der Handlung deutliche Ortswechsel signalisierten.

Zum Teil war das Bühnenbild gar von Symbolik geprägt: So kamen auf der Bühne Elemente zum Einsatz, die an Schachfiguren erinnerten und den Konflikt zwischen Gut und Böse veranschaulichten. Auch Effekte wie Nebel wurden sparsam, aber zu passenden Zeitpunkten eingesetzt und erzeugten die gewünschte mystische Atmosphäre.

Unterstützung des Schulchors

Auf gesanglicher Ebene bewegte sich die Vorstellung zum Teil auf hohem Niveau und einige Schüler brillierten mit ihrem Talent. Für eine merkliche Qualitätssteigerung sorgten eine Reihe Mitglieder des Schulchors, die für einige Szenen als Unterstützung engagiert worden waren. Wenn andere Mitwirkende auch nicht jeden Ton sauber intonierten, so gelang es ihnen, auf charmante Art und Weise beim Auditorium anzukommen.

Zuvor erreichten sie dies schon zwei Mal - unter anderem bei einer Sonderaufführung vor rund 200 Viertklässlern. Stets dabei im Mittelpunkt stand Theo Steinbach, der die Hauptrolle spielte und gesanglich schon ein bisschen Erfahrung im Schulchor sammelte: „Trotzdem hatte ich schon lange nicht mehr gesungen und musste dann erstmal ausprobieren, wie hoch ich komme“, so der 15-jährige Protagonist.

>>HINTERGRUND: QUALITÄT MIT ZUKUNFT

Zuschauer und Schüler Felix Feldmann formulierte stellvertretend für weite Teile des Publikums seinen großen Respekt vor der Leistung seiner Mitschüler: „Ich hätte mich nicht getraut, vor so vielen Menschen zu singen“, sagte der 16-jährige nach der Aufführung.

Auch wenn diese Vorstellung der letzte Auftritt dreier kommender Abiturienten des AD war, blickte sein Begleiter Jan Hofmeister positiv auf die kommenden Vorstellungen: „Besonders die jüngeren Talente lassen auf weitere tolle Vorführungen in der Zukunft hoffen“.